Wer malt sie sich nicht hin und wieder aus – die französische Lebensart. In einem Bistro irgendwo in Paris, mit einem Glas Wein in der Hand und einer Zigarette, einem Chanson lauschend. Verliebte Pärchen, die entlang der Seine flanieren. Der Geruch von Baguette in der Luft. Nun, all das ist dahin, wenn eine Alpine mit einem kreischenden V6 im Heck die Champs-Élysées hinabdonnert. Und wir lieben sie dafür.

Zwar wurde die Alpine A310 schon in den Siebzigern designt, aber für uns ist sie ein Kind der Achtziger Jahre. Harte Kanten und Ecken zieren die Flunder. Man atmet förmlich die goldenen Tage des Rennsports ein, als die Alpine im Rallyesport und auf der Rundstrecke Legenden und großartige Geschichten schrieb.

Eine dieser Geschichten steht übrigens ganz am Anfang der Entwicklung der Alpine A310 – sie wurde nicht in einem Ingenieurbüro designt, sondern in der Privatwohnung des Alpine Gründers Jean Rédélé. Das alte Werk von Alpine war zu klein und mit der Produktion der A110 noch voll ausgelastet, das neue noch nicht fertig. Es war also schlicht kein Platz. Und man behalf sich damit, dass man die ersten Modelle der A310 in der Küche einer Privatwohnung entwarf. Was der A310 keinen Abbruch tat.

Die Alpine A310 – nicht ganz feuerfest?

Wobei, zwei Punkte gibt es da doch. Die Schnauze der Alpine hatte die Eigenart, bei hohen Geschwindigkeiten abzuheben, was zum Kontrollverlust auf der Vorderachse führte und die Alpine in dem ein oder anderen Straßengraben versenkte. Hier kam dann der zweite Punkt zum Tragen – die Fiberglas Karosserie der Alpine war leicht entflammbar. Und wenn sie mal brannte, dann brannte sie. Ein nicht unübliches Schicksal für die Alpine – der Feuerlöscher im Cockpit ist also weit mehr als nur ein bloßes Dekorationsobjekt.

Auch der Velour Innenraum sieht nicht unbedingt feuerfest aus, ist aber so flauschig, dass man die Alpine mit einem Wohnzimmer verwechseln könnte. Wäre da nicht das infernalische Kreischen des V6 PVR im Heck, der für die Insassen kaum abgedämmt sein Werk tut und die Temperaturen im Wageninneren nach oben treibt. Und die Alpine bei unter 1 Tonne Gesamtgewicht brutal nach vorne prügelt. Nicht nur für damalige Verhältnisse. Die Serie mit 150 PS schaffte es in 7 Sekunden von null auf hundert, Spitze ca. 225 km/h – damals der schnellste Serien Franzose auf dem Asphalt.

Schon damals wurde nahezu jede ausgelieferte Alpine mit Rennsportzubehör ausgerüstet – so auch unser Modell, natürlich nur mit original zeitgenössischem Equipment. Die Leistung wird durch einen 6 x 42 Weber Vergaser mit Ansaugbrücke erhöht, die Devil Auspuffanlage mit Fächerkrümmer sorgt für den letzten Leistungsschub. Unsere Alpine ist mit 171 PS eingetragen, hat aber wahrscheinlich das ein oder andere PS mehr unter der Haube.

Zu verkaufen – beinahe

Der Besitzer unserer Alpine hat sich mit dem Wagen einen Jugendtraum erfüllt – damals nutzte er jede freie Minute, um mit seinem 34 PS Käfer beim örtlichen Renaulthändler die Nase am Schaufenster platt zu drücken. Ein damals unerreichbarer Wagen. Heute steht er bei ihm in der Garage und stand zum Verkauf. Er stand. Denn als er ihn nach sechs Jahren für unser Fotoshooting aus der Garage holte und eine Probefahrt absolvierte, war es keine Frage mehr – die Alpine bleibt wo sie ist. In guten Händen! Wir können ihn verstehen – auch wenn wir der verpassten Chance einen so fantastischen Wagen zu erwerben doch etwas nachtrauern.

Mit freundlicher Unterstützung von Motorrad Rapp und Oxid7.

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