Spa Franchorchamps. Eine Legende von Rennstrecke. Für uns eine der großartigsten Rennstrecken überhaupt. Hier startete schon immer alles was Rang und Namen hatte. Hier wurden Triumphe gefeiert und Tragödien durchlebt. Etwa beim legendären Zweikampf von Stefan Bellof und Jacky Ickx, den der aufstrebende Bellof mit seinem Leben in Eau Rouge bezahlte. Nicht erst seit damals hat Eau Rouge den Nimbus als legendärste Kurvenkombination überhaupt. Für uns ist es jedesmal wieder ein Erlebnis diese Strecke zu besuchen.

Wir waren Samstags morgens in aller früh Richtung Belgien gestartet um den Spa Six Hours einen Besuch abzustatten. Eines der Highlights für uns, nicht nur weil die historische Formel 1 hier einen Lauf haben würde. Nach knapp zwei Stunden Fahrt legten wir kurz vor der Grenze einen kurzen Tankstopp ein. Wir standen im Halbschlaf an einem kleinen Grenzkaff an der Zapfsäule, der Tank lief voll und wir atmeten diese Mischung aus Benzindampf und frischer Landluft ein. Voller Vorfreude auf das, was uns auf der Strecke erwarten würden. Es waren noch etwa 30 Sekunden bis wir feststellen würden, dass wir unsere Geldbörse auf der Kommode zuhause vergessen hatten.

Ein nicht begeisterter Tankwart war unser kleinstes Problem. Es hieß kein Geld für Essen zu haben, wir konnten uns für unser Hotel nicht ausweisen und noch viel schlimmer, unsere Akkreditierung stand auf dem Spiel. Wir würden sie verpassen – die Ford GT40, die 911, die historische Formel 1 und sonstige Schätze, die auf dem schwarzen Asphalt der Ardennenachterbahn wieder aufleben sollten.

Was sollten wir tun? 250 Kilometer zurück fahren? Mindestens der halbe Tag wäre verloren gewesen und es waren nur noch 30 Kilometer bis zur Rennstrecke. Unsere Kameraausrüstung als Pfand versetzen? Den Tankwart überfallen? Verdammt.

Nachdem wir den Tankwart ruhig gestellt hatten und versicherten, dass wir am nächsten Morgen vorbeikommen würden, riskierten wir die Fahrt nach Stavelot, wo eine Eintrittskarte für uns bereit liegen sollte, mit der wir an das Pressebüro auf der Rennstrecke gelangen sollten.

Eine Presseweste? Klar, gegen Kaution!

Eigentlich möchten wir das Klischee nicht bestätigen. Aber wie das so ist mit Klischees, hin und wieder findet man ein perfektes Beispiel dafür. Wir waren jetzt sowieso schon schlecht gelaunt in Stavelot angekommen und marschierten panisch zum Empfang der Pressestelle der Spa Six Hours – wie zur Hölle sollten wir uns ausweisen? Die Belgierin hinter dem Empfang lächelte freundlich, und egal wie gut unsere Erklärung auf Englisch vorgetragen wurde, sie antwortete ausschließlich und ausschweifend auf Französisch. Was ja ok gewesen wäre, immerhin sind wir in Belgien. Wenn nicht A aufgrund ihrer Reaktionen klar gewesen wäre, dass sie jedes Wort verstand und B zu einer solchen Veranstaltung internationale Pressevertreter anreisen, von denen die meisten nicht französisch sprechen. Nach einiger Diskussion mit Händen und Füßen, bekamen wir gnädigerweise das Eintrittsband ausgehändigt, dass uns den Zugang zur Strecke ermöglichte.

Yeah. Mit dem Ticket konnten wir ins das Pressebüro auf der Strecke gelangen. Vielleicht würde doch noch alles gut werden. Was es natürlich nicht wurde. Fotografen auf Rennstrecken brauchen in der Regel eine Presseweste. Die ist notwendig, damit die Streckenposten schnell erkennen können, ob du etwas auf Rennstrecke verloren hast oder ein durchgeknallter Fan bist, der sich und andere in Gefahr bringt. Das Problem – eine Weste gibt es nur gegen Kaution. Die wir nicht hatten. Und ohne Weste gibt es keinen Zugang zur Strecke. Wir waren am Arsch und unsere Stimmung im Keller.

Option B wäre gewesen, das belgische Bier zu testen und einfach den Tag auf der Zuschauertribüne zu genießen. Was ohne Kohle auch schwierig ist. Um den Tag nicht ganz zu verlieren, machten wir ein paar Bilder an den Zuschauerbereichen und fingen an, den 7 km langen Rundkurs abzulaufen. Das hat auch immer was – man kann Spa-Francorchamps im Gegensatz zu vielen anderen anderen Rennstrecken tatsächlich komplett umrunden. Versucht das mal auf der Grandprixstrecke des Nürburgrings. Oder in Hockenheim.

Neben der Strecke

Es wurde tatsächlich viel auf der Strecke geboten. Großartige Fahrzeuge und eine tolle Stimmung, wie sie immer auf dieser Strecke herrscht. Vielleicht ist es auch einfach ein Gefühl der Zusammengehörigkeit, das Fans des Motorsports so zusammenschweißt. Egal ob man auf Leute auf England, den Niederlanden, oder Deutschland traf, man fand immer einen gemeinsamen Nenner und ein Lächeln. Wir lieben dieses Publikum einfach.

Als wir am weitesten von der Boxengasse entferntesten Punkt waren – wer möchte raten was passierte – fing es zu regnen. Turnschuhe und Pullover erwiesen sich nicht wirklich als wetterfest, wobei wir diesen Punkt eigener Dummheit zuordnen. Egal, auch wenn gerade ein alter Tyrell heulend mit Vollgas auf der Kemmelgeraden an uns vorbei schoß, unserer Laune war im Keller. Wir machten uns auf den Rückweg um an nächsten Morgen zu früh wie möglich auf der Strecke zu sein.

Am nächsten Morgen, über 500 Kilometer später, wurde unsere Schuld beim Tankwart ausgelöst und wir machten uns über die beleuchtete belgische Autobahn auf, endlich unseren Zugang zur Strecke zu bekommen. Wir waren früh, ausgeruht, der Parkplatz war frei, das erste Rennen würde erst in einer Stunde starten. Genug Zeit um zum Pressebüro zu gehen, die Weste zu holen die uns den Zugang zur Strecke garantierte und sogar noch Zeit für einen Kaffee. Endlich war alles gut. Wir stiegen aus dem Auto, schnappten unser Zeug, gingen 5 Meter, traten in ein Schlagloch und knickten mit dem Fuß um.

Den Rest des Tages humpelten wir durch die Boxengasse. Aber es war uns egal. Wir waren hier. Zentimeter von Fahrzeugen entfernt, die Geschichte geschrieben haben. Die uns den Geist vergangener Zeiten spüren ließen. Die Schmerzen waren uns jetzt egal. Wir genossen die Spa Six Hours.

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